10. August 2018 4 min. Lesezeit Wissen

Kaffee ohne Koffein? Und ob! Doch nicht immer ist der Verzicht auf den Wachmacher Koffein freiwillig.

Gerade ältere Menschen schwören auf koffeinfreien Kaffee, weil sie davon ausgehen, dass sie im Alter das Koffein nicht mehr so gut vertragen. Nach dem Genuss von koffeinhaltigem Kaffee klagen sie oft über erhöhten Blutdruck und Herzprobleme. Allerdings könnten aber auch die Bitterstoffe ein Grund dafür sein, dass der Kaffee als unverträglich wahrgenommen wird. Denn würden ältere Menschen tatsächlich so empfindlich auf Koffein reagieren, würden sie vermutlich auch Probleme beim oder nach dem Verzehr von Schokolade und Kakao enthalten, denn auch diese Lebensmittel enthalten Koffein – wenn auch in niedrigerer Dosierung. Aber auch in anderen Lebensphasen wird gerne auf entkoffeinierten Kaffee zurückgegriffen, beispielsweise in der Schwangerschaft.

Beginn des 20. Jahrhunderts: Ein Bremer erfindet den entkoffeinierten Kaffee

Ludwig Roselius, der Gründer der bekannten Kaffeemarke „Kaffee HAG“ stellte im Jahr 1903 zum ersten Mal entkoffeinierten Kaffee her. Der Grund war denkbar traurig: Kurz zuvor war nämlich sein Vater gestorben und Roselius führte dies nicht zuletzt auf den immensen Kaffee- und damit auch Koffeinkonsum seines Vaters zurück. Der erste entkoffeinierte Kaffee war aber nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit. Denn nachdem die Kaffeebohnen in Salzwasser aufgequollen waren, entzog Roselius ihnen mit Hilfe von Benzol das Koffein. Benzol ist aber ein Stoff, der heutzutage als krebserregend gilt, das sogenannte Roselius-Verfahren wird daher heute nicht mehr angewendet.

Der Schweizer-Wasser-Prozess: Ein Verfahren ohne Chemie

Der Schweizer-Wasser-Prozess funktioniert ganz ohne gesundheitsschädliche Chemie, hat dafür aber andere Nachteile. Dieses Verfahren arbeitet mit dem Prinzip der Sättigung: Zunächst werden dazu die Kaffeebohnen in Wasser gelegt – und zwar so lange, bis alle löslichen Bestandteile in das Wasser übergegangen sind. Dieses Wassergemisch wird dann durch einen speziellen Filter gegeben, um das im Wasser gelöste Koffein vom Rest zu trennen. Das koffeinfreie Wasser wird nun weiter verwendet. In dem nun folgenden Schritt werden wiederum Kaffeebohnen in das Wasser, das nun alle Kaffee-Bestandteile abgesehen von dem Koffein enthält, gegeben und darin quellen gelassen. Nun kommt das Prinzip der Sättigung ins Spiel: Da das Wasser alle Bestandteile der Bohne enthält, nur nicht das Koffein, kann nur das Koffein an das Wasser abgegeben werden. So wird den Bohnen also durch das Wasser ihr Koffein entzogen und sie auf diese Weise entkoffeiniert. Diese Methode ist jedoch sehr aufwendig und außerdem äußerst verschwenderisch, da man viele Kaffeebohnen zum Sättigen des Wassers benötigt, die man danach einfach entsorgt. Daher wird auch diese Methode heute kaum noch angewendet.

Ludwig Roselius, der Gründer der bekannten Kaffeemarke „Kaffee HAG“ stellte im Jahr 1903 zum ersten Mal entkoffeinierten Kaffee her.

Entkoffeinierter Kaffee dank Lösungsmitteln

Eine der heute gängigen Methoden zum Entkoffeinieren von Kaffee setzt auf Lösungsmittel. Dazu lässt man auch hier in einem ersten Schritt die Kaffeebohnen zunächst aufquellen, um sie bereit zu machen für die Lösungsmittel. Kommen diese dann zum Einsatz ist Geduld gefragt: Mindestens zehn Stunden müssen in der Regel die Kaffeebohnen mit Lösungsmitteln behandelt werden, um ihr Koffein frei zu geben. Aber der Einsatz von Lösungsmitteln ist nicht ganz unumstritten. Bis heute ist nämlich nicht abschließend geklärt, ob die Stoffe, die dabei zum Einsatz kommen, gefährlich für die Gesundheit sind oder nicht. Es scheint nämlich Hinweise darauf zu geben, dass mindestens ein Lösungsmittel, nämlich Dichlormethan, potentiell krebserregend ist.

Ist entkoffeinierter Kaffee in der Schwangerschaft sinnvoll?

Für viele werdenden Mütter heißt es in der Schwangerschaft auf so einiges verzichten, was dem Kind schaden könnte. So auch auf Koffein – aber ist die Furcht gerechtfertigt?

Tatsächlich kommen Studien zu dem Thema „Koffein und Schwangerschaft“ zu keinem eindeutigen Ergebnis. Manche glauben einen statistischen Zusammenhang zwischen Beeinträchtigungen des Neugeborenen und dem Koffein-Konsum der Mutter zu finden, andere sehen diesen Zusammenhang nicht. Die Frage ist aber noch nicht abschließend geklärt. Wer allerdings kein Risiko eingehen möchte, kann auf entkoffeinierten Kaffee zurückgreifen.

Unser Tipp: Wählen Sie gerade in der Schwangerschaft entkoffeinierten Kaffee, der mit einem Bio-Siegel ausgezeichnet ist.

Wer nicht komplett auf koffeinhaltigen Kaffee verzichten kann oder will, für den haben Ärzte einen groben Richtwert ausgegeben, bis zu dem auch koffeinhaltiger Kaffee für das Neugeborene Kind unschädlich sein sollte. Denn eins sollten Frauen in der Schwangerschaft wissen: Das Koffein gelangt in jedem Fall über die Plazenta zu dem Baby – ob das Koffein allerdings hier Schäden anrichtet oder ob das Baby das Koffein sehr gut abbauen kann, ist nicht abschließend geklärt. Wer also trotz Koffein auf Nummer Sicher gehen will, sollte nicht mehr als 200 Milligramm Koffein am Tag zu sich nehmen. Die angegebene Menge ist als Gesamtmenge zu verstehen. Das bedeutet, dass auch andere Lebensmittel, die Koffein besitzen, in die Rechnung mit aufgenommen werden müssen. Dazu gehören beispielsweise Schokolade, Schwarzer und Grüner Tee und Kakao. Auch einige Medikamente können Koffein enthalten. Daher sollten Schwangere wenn möglich einen genauen Plan führen, welche Lebensmittel sie täglich konsumieren und dies mit ihrem behandelnden Arzt absprechen.

Entkoffeinierter Kaffee – was man außerdem wissen sollte

  • Obwohl der Kaffee den Titel „entkoffeiniert“ trägt, ist er nie gänzlich frei von Koffein. Rein chemisch scheint es auch nicht möglich zu sein, Koffein bis auf letzte Reste aus den Bohnen heraus zu filtern. In der EU ist es daher so, dass Kaffee bis zu einem Gehalt von 0,1 % Koffein noch als entkoffeinierter Kaffee deklariert werden darf.
  • Entkoffeinierter Kaffee ist nicht automatisch gesünder. Wie wir bereits gesehen haben, kommt es ganz maßgeblich auf die Methode an, die verwendet wird, um dem Kaffee das Koffein zu entziehen. So kann es unter Umständen sein, dass der Kaffee durch bestimmte Verfahren weniger verträglich wird, als er das mit Koffein wäre. Gerade die magenschonende Wirkung ist dann passé.
  • Entkoffeinierter Bio-Kaffee scheint die bessere Wahl zu sein. Denn bei Bio-Kaffee dürfen keine chemischen Lösungsmittel zum Einsatz kommen, um die Bohne von dem Koffein zu befreien. Wer sich also vor Dichlormethan fürchtet, sollte zu Bio entkoffeiniertem Kaffee greifen. Denn dieser wird in der Regel mithilfe der CO2-Methode entkoffeiniert.
  • Entkoffeinierter Kaffee scheint auch auf natürliche Weise zu wachsen. In Äthiopien haben Wissenschaftler im Jahr 2004 eine von Natur aus koffeinfreie Kaffeepflanze entdeckt. Seither versucht man quasi auf natürlichem Wege, nämlich durch Selektion und Kreuzungen, eine Kaffeepflanze zu züchten, die koffeinfreie Früchte trägt.Bisher sind die Kaffeepflanzen jedoch noch nicht ertragreich genug, als dass natürlich produzierter entkoffeinierter Kaffee im Handel in naher Zukunft verfügbar sein könnte. Aber wie heißt es so schön: Abwarten und Tee – Pardon! – Kaffee trinken.
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Isabel

Kaffee ist nicht unbedingt ihr Lieblingsgetränk. Dafür ist sie immer für einen Schokotraum zu haben - am besten mit einer Portion "Snow", dem feinen kalten Milchschaum aus der Ultima Duo 2.

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