Das schlechte Image von Kaffee ist bereits länger eingeholt, denn viele Studien belegen das Gegenteil. Aber welche Wirkungen hat Kaffee nun auf unseren Körper?

Für viele gehört er inzwischen zum Alltag: ob morgens als Wachmacher, zwischendurch für Genussmomente, aus gesundheitlichen Zwecken oder einfach aus der Gewohnheit heraus. Als zweitwichtigstes Handelsgut weltweit wird dem Kaffee von vielen Menschen eine relevante Rolle zugesprochen. Und das nicht ohne Grund, denn mit seinen über 1.000 Substanzen hat das Kaffeegetränk so einiges zu bieten. Demnach ist es verständlich, dass sich um den Kaffee und vor allem um das darin enthaltene Koffein – dem womöglich wichtigsten Wirkstoff des Heißgetränks – viele Mythen ranken.

Jahrelang hatte der Kaffee ein schlechtes Image und galt als ungesundes Getränk: Er solle schädlich für das Herz sein und unter anderem zu Krebs führen. Doch durch die vielen wissenschaftlichen Studien, die es inzwischen zu der kleinen Kaffeebohne gibt, hat sich das Bild stark geändert. Denn Kaffee hat durchaus viele positive Wirkungen auf den Körper. Diese gesundheitsfördernden Wirkungen von Kaffee im Körper werden durch epidemiologische Studien mit tausenden Menschen als Probanden belegt, bei denen die Ernährungsgewohnheiten mit der Gesundheitssituation der Probanden verglichen wurden. Und tatsächlich kamen wichtige Ergebnisse heraus, die sowohl für koffeinhaltigen als auch für entkoffeinierten Kaffee gelten. Wie genau wirkt sich Kaffee im Körper aus und wodurch entsteht diese gesundheitsfördernde Wirkung auf unseren Körper?

Auf diese Körperregionen wirkt Kaffee

Einmal im Körper angekommen wirkt Kaffee an ganz vielen verschiedenen Regionen. Wer regelmäßig zu der Tasse Kaffee greift, es aber nicht übertreibt mit dem Genuss dieses Getränks, der wird in folgenden Regionen die Wirkung von Kaffee erkennen können: Mund, Magen, Blut, Gehirn, Cholesterinspiegel, Herz, Stoffwechsel, Muskeln, Bronchien, Nieren, Darm und Leber. Im Folgenden schauen wir uns die genannten Regionen genauer an und beobachten die jeweilige Wirkung von Kaffee:

Wird der Kaffee getrunken, kommt er zuerst mit unserem Mund in Berührung. Dort entfaltet sich sein Geschmack über die vielen Geschmacksknospen – bestehend aus Säuren, Bitterstoffen und über 800 natürlichen Aromastoffen. Die Aromen werden in der Nase wahrgenommen, wohin sie durch den hinteren Rachenraum gelangen. In den nächsten 30 Minuten nach dem Kaffeekonsum wird über den Magen sowie den Dünndarm das enthaltene Koffein resorbiert und von dort aus dann im ganzen Körper verteilt. Anders als vielleicht viele denken, hilft die Tasse Kaffee aber nicht den Magen zu entleeren. Stattdessen werden dadurch die nachgeschalteten Verdauungsvorgänge beschleunigt, was bei sensiblen Menschen zu einer überhöhten Ausschüttung von Salzsäure führen kann. Neben dem Koffein enthält der Kaffee noch viele weitere Inhaltsstoffe. Die meisten davon tauchen zuerst im Blut als Stoffwechselprodukte auf, von wo aus sie mit dem Blutkreislauf im weiteren Körper verteilt werden. Weil das Koffein eine hohe Bioverfügbarkeit hat, ist die höchstmögliche Blutkonzentration nach circa 30 Minuten erreicht.

Weiterhin können durch die Substanzen Kahweol und Cafestol, die zu den Lipiden zählen, die Cholesterinwerte im Blut angehoben werden. Wie hoch im Endeffekt der Anteil der beiden Werte im Blut ist, hängt von der Zubereitungsart ab. Wer Papierfilter oder Kaffeepads benutzt, lässt diese Substanzen darin zurück, sodass sie gar nicht oder nur kaum in den Körper gelangen. Mit der Erhöhung des Cholesterinwertes geht jedoch kein erhöhtes Gesundheitsrisiko einher. Das Herz kann durch Koffein beeinflusst werden, da Koffein die Ausschüttung der Stresshormone Cortisol sowie Adrenalin stimuliert.

Infolgedessen erhöht sich der Herzschlag, der Puls steigt an und die Blutgefäße erweitern sich. Trotz dieser Wirkung legen die meisten Studien nahe, dass kein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Kaffee und Herzgefäßerkrankungen besteht. Darüber hinaus steigt auch der Blutdruck kurzzeitig an.

Zudem gibt es immer wieder Studien dazu, wie Koffein sich auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Einheitliche Ergebnisse kommen dabei nicht zustande, aber dieser Inhaltsstoff soll wohl unter bestimmten Umständen die sportliche Leistungsfähigkeit unterstützen können. Auch Niacin, ein weiterer Inhaltsstoff von Kaffee, wirkt im Körper angeblich muskelaktivierend. Auf das Bronchialsystem der Lunge wirkt Koffein gefäßerweiternd, wodurch sich die Muskeln der Bronchien entspannen und die Atmung erleichtert wird. Ebenfalls durch das Koffein wird die Filterfunktion der Nieren erhöht, wodurch mehr Urin produziert wird. Anders als lange Zeit angenommen entzieht Kaffee dem Körper aber keine Flüssigkeit, da dieser Effekt nur von kurzer Dauer ist.

So wirkt Kaffee auf unser Gehirn

In diesem Teil unseres Körpers wirkt der Kaffee vor allem mittels eine Substanz: dem Koffein. Denn dieser Inhaltsstoff kann die Blut-Hirn-Schranke fast ungehindert passieren und erreicht somit ganz schnell das Gehirn. Hier wirkt das Koffein spürbar auf unser zentralen Nervensystem. Die Struktur von Koffein hat eine starke Ähnlichkeit zu der von Adenosin, einem körpereigenen Botenstoff, der für die Signalisierung von Müdigkeit zuständig ist. Das Adenosin besetzt bestimmte Rezeptoren und aktiviert diese, wodurch die Ausschüttung und Wirkung von belebenden Stoffen wie Dopamin und Noradrenalin beeinflusst wird. Koffein hingegen kann die Adenosin-Rezeptoren nicht aktivieren, sie aber durchaus wegen der ähnlichen Struktur besetzen. Somit wirkt das Koffein im Gehirn als Antagonist oder auch als Gegenspieler des Adenosins, da es die Rezeptoren blockiert und somit die Signalisierung von Müdigkeit an den Körper verhindert. Die Nervenbahnen erhalten entsprechend kein Signal zur Drosselung und arbeiten munter weiter. Damit verursacht das Koffein drei Wirkungen im Körper: es wirkt leistungssteigernd sowie anregend, schmerzlindernd und schlafverzögernd.

Durch die Einnahme von koffeinhaltigen Getränken wird scheinbar die Reaktionszeit sowie die geistige Leistungsfähigkeit bei ermüdenden Personen verbessert. Jedoch sind sich bei diesen Ergebnissen die Forscher nicht immer einig. Die Antwort nach der exakten Ursache bleibt in nächster Zeit daher unschlüssig. Weiterhin kann Koffein als mildes Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen eingesetzt werden. Es wird auch in einigen Medikamenten als unterstützendes Analgetikum eingesetzt. Das Koffein wirkt insofern positiv auf das Gehirn, dass es lokal im Gehirn leicht die Gefäße verengt und Kopfschmerzen oder Migräne lindern kann. Bei stärkeren oder andauernden Kopfschmerzen sollte aber dennoch auf andere Lösungen zurückgegriffen werden. Darüber hinaus wirkt es auf verschiedene Neurotransmitter, wodurch eine Verzögerung beim Einschlafen sowie eine Verringerung der Schlafdauer verursacht werden können. Dies wirkt sich bei jeder Person aber individuell aus. Wer an koffeinhaltigen Kaffee gewöhnt ist, entwickelt mit der Zeit eine gewisse Immunität gegenüber dieser Wirkung, wodurch die schlafverzögernde Wirkung sinkt oder gar verschwindet.

Ein schöner ToGo-Becher der gute Laune macht

Wo und wie wirkt Kaffee im Körper noch?

Kaffee besteht aus über 1.000 Substanzen. Zu den wohl wichtigsten zählen Kohlenhydrate, Fettstoffe, Wasser, Eiweißstoffe, Säuren, Alkaloide (also das bekannte Koffein), Aromastoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Je nach Kaffeesorte, Wachstumsbedingungen und Art der Röstung variieren die tatsächlichen Mengenanteile der einzelnen Substanzen in den Kaffeebohnen. Zudem gelangen auch nicht alle Substanzen letztendlich in unser Kaffeegetränk. Viele der Inhaltsstoffe der Kaffeebohne zeigen eine hohe antioxidative Wirkung. Antioxidantien sind dafür bekannt, dass sie zerstörerische Prozesse in unseren Zellen verzögern oder sogar ganz verhindern können. Diese Wirkung erzeugen sie dadurch, dass sie mitunter zum Schutz vor freien Radikalen verantwortlich sind. Dass Gemüse und Früchte oder auch Bitterschokolade solch eine Schutzwirkung in unserem Körper leisten, ist bereits lange bekannt. Aber dass auch Kaffee zu den Lebensmitteln gehört, die eine antioxidative Wirkung haben, hat sich erst in letzter Zeit immer weiter durchgesetzt.

Nun fehlen noch der Darm und die Leber in der Aufzählung. Auch hier wirkt vor allem das Koffein des Kaffees. Im Darm stimulieren neben dem Koffein aber auch die im Kaffee enthaltenen Säuren, Gerb- und Bitterstoffe die Bewegung des Darms, auch Peristaltik genannt. Darüber hinaus wird die Sekretion von Gallenflüssigkeit angeregt. Durch diese Effekte wird der Verdauungsprozess gefördert und es wird vermutet, dass Melanoidine zur Darmgesundheit beitragen. Melanoidine gehören zu den Substanzen von Kaffee, die für dessen Farbe verantwortlich sind. Kaffee-Antioxidantion, sowie die Lipide Kahweol und Cafestol, wirken zudem scheinbar auf das zentrale Entgiftungsorgan, die Leber, schützend – vor allem in Leberzellen.

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